Meditation zum Chorfenster der Heilig-Geist-Kirche  

Meditation zum Chorfenster der Kirche (Apg 2,1-4)

 

Die Kirchenfenster unserer Heilig-Geist-Kirche zeigen sehr eindrucksvoll die verwandelnde Kraft des Geistes. Sie stammen von dem Künstler Günther van Look und kamen vor 12 Jahren in unser Gotteshaus. Da sehen wir, ausgehend vom großen Chorfenster, immer wieder das gleiche Motiv: symbolisiert durch silber-graue, sich zu einem wahren Sturm formierende feingliedrige Elemente, dringt Gottes Geist ins Universum ein. - Die Welt wird dargestellt durch große erdfarbenen Schollen, das All durch blaue Rauten, die die Welt umfassen.

Die beiden Erdschollen stehen da wie zwei Flügel einer Schwingtür. Die Erde ist bereit, den Geist Gottes zu empfangen, einzulassen. Die Tore sind offen: Komm Schöpfer Geist, kehr bei uns ein! Besuch das Herz der Kinder dein! Die Menschen brauchen den Geist Gottes. Er gibt Leben, gibt Atem, er führt die Menschen auf den Weg zu Gott.

Der Geist Gottes ist zwar sichtbar gemacht durch die vielen kleingliedrigen Elemente, doch fassbar ist er nicht. Die Darstellung auf dem Fenster erinnert mich an das Nordlicht, das ich mehrfach in Skandinavien sah. Es bewegt sich wie ein Vorhang: von rechts nach rechts, von oben nach unten. Wichtig und beeindruckend sind dabei v.a. die Bewegungen. Auch auf unserem Bild sind es die vielfältigen Bewegungen, die Dynamik ausdrücken und Kraft. Der Geist Gottes fällt aus dem offenen hellen Himmel und bringt Bewegung ins Bild. Jesus sagt einmal in einem nächtlichen Gespräch zu Nikodemus: „Der Geist weht, wo er will; du hörst sein Brausen, weißt aber nicht, woher er kommt und wohin ergeht. So ist es mit jedem, der aus dem Geist geboren ist.“ Das, was der Geist mit der Erde macht, das macht er mit jedem von uns: er setzt uns in Bewegung, verwandelt uns, be-geistert uns, schafft uns neu. Das geschieht nicht immer ohne Brüche, ohne Kratzer. Neu werden, alte Strukturen aufgeben, die Geborgenheit des Nestes verlassen, das macht uns Angst. Doch will uns der Geist Gottes auch mit Freude und Neugierde erfüllen über Neues, das entsteht, über neue Wege, die uns zu neuen Ufern führen, über neue Erfahrungen, die wir machen können, wenn wir alte Pfade verlassen.

Das All umgibt die Erde in blauen Rauten. In die Weite des Raumes ist sie eingebettet. Nicht nur unserer winziger Planet Erde, das ganze Weltall wird durchströmt von Gottes Geist und transformiert es. Wir singen es in der Pfingstzeit immer wieder: „Der Geist des Herrn erfüllt das All mit Sturm und Feuersgluten... Der Geist des Herrn durchweht die Welt gewaltig und unbändig. Wohin sein Feueratem fällt, wird Gottes Reich lebendig.“ Gottes Geist haucht der Welt Leben ein. Unsere Kirchenfenster wollen uns immer wieder an den erinnern, der uns Leben spendet, der uns als pilgerndes Volk Gottes be-wegt, der uns führt auf immer neue Wege und der uns Atem gibt, damit wir auf dem Weg nicht atemlos werden.

(Horch die Wellen...)

Der Geist betet in uns. So wollen wir ihn durch uns beten lassen im kirchlichen Nachtgebet, der Komplet.