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Susanne Stiegert-Krumhauer
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Martmany-Projekt

Unsere Ordenszeitschrift "stadtgottes" will über dieses Projekt eine Reportage machen. (Die inzwischen veröffentlichte Reportage finden Sie hier .) Daher wurde ich von der Redaktion gefragt: „Warum unterstützt die Steyler Gemeinde in Berlin dieses Projekt?“

Ich antwortete:

  • Weil Familie Stiegert-Krumhauer ein Mitglied der Gemeinde ist und sehr glaubwürdig das Projekt in Lima begleitet; mit allerhöchstem persönlichem Einsatz.
  • Weil sehr häufig feedback kommt aus Peru.
  • Weil wir als christliche Gemeinde über unseren eigenen Tellerrand schauen wollen. Der Geist einer missionarischen Ordensgemeinde wächst daran und erfährt selber viel Kraft dadurch.
  • Weil viele Gemeindemitglieder ihre eigenen Resourcen teilen wollen mit jenen, die weniger haben.
  • Weil das Projekt inzwischen 25 Jahre lang betrieben wurde, Kindern das Überleben garantierte und dies auch künftig so bleiben soll.

(Rüdiger Brunner svd)

 

Martmany —————— Wie alles begann.

 

Das Wort "Martmany" ist ein Kunstwort, es besteht aus den Teilen "Mart" für Martin, "man" für Manuel und dem spanischen Wort "y" ,welches "und" bedeutet.

Es stellt eine gedankliche Verbindung zwischen meinen Söhnen Martin und Manuel und den Kindern in Lima dar, die durch die Institution Martmany unterstützt werden.

Vielleicht war der eigentliche Grundstein für die Entstehung von Martmany die Geburt unseres mehrfach behinderten Sohnes Martin vor 23 Jahren. Das gesamte Leben veränderte sich! Wir adoptierten Manuel aus Paraguay und hatten praktisch zwei Babys, da Martin sich nicht normal entwickeln konnte.

Als die Kinder vier und fünf Jahre alt waren, kam 1984 unser erstes Aupairmädchen, Vicky aus Peru, in die Familie. Zwischen ihr und mir entstand eine Freundschaft, die auch nach ihrer Rückkehr nach Lima bestehen blieb.

Anfangs half ich der Familie, später wollte ich mehr tun.

Die ersten kleinen Schritte waren 1989 ein Kinderclub und die Möblierung eines Comedors, einer Gemeinschaftsküche für arme Familien. Das Geld wurde auf einem Schulfest der Herz-Jesu-Schule verdient, bei dem peruanische Empanadas verkauft wurden, die Vickis Mutter Juana hergestellt hatte. Sie befand sich wegen der Hochzeit ihrer Tochter, die nach Berlin zurückgekehrt war, in der Stadt.

Bei einer Reise 1991 nach Lima lernte ich arbeitslose Sozialarbeiterinnen kennen. Gemeinsam gründeten wir "Martmany", um einer kleinen Gruppe von Kindern bei den Schularbeiten zu helfen. Der Unterricht fand in der Garage von Vickys Eltern statt.

Immer mehr Kinder wollten kommen, aber es gab einfach keinen Platz.

Mittlerweile arbeiteten zwei Frauen stundenweise im Projekt, ich finanzierte die Gehälter durch Verkauf von peruanischem Kunsthandwerk in der Gemeinde, durch Lotterien auf dem Reichsstraßenfest und in der Herz-Jesu-Schule. Manchmal erhielt ich auch Spenden aus meiner Familie oder von Freunden.

Es ergab sich 1995 die Möglichkeit, ein baufälliges Haus gegenüber von Juanas Haus zu erwerben. Jetzt hatten wir zwar mehr Platz für die Kinder, es fehlte jedoch das Geld für die Gehälter. Es war für den Hauskauf ausgegeben worden.

Außerdem war mir klar, dass ich ein wachsendes Projekt nicht mehr alleine finanzieren konnte. Die Idee der Patenschaften wurde geboren. Ein deutscher Pate unterstützt den Platz eines Kindes mit 10 Euro im Monat. Er kann mit seinem Patenkind Kontakt aufnehmen, Fotos und kleine Geschenke schicken....

7 Euro dienen zur Finanzierung der Einrichtung, für 2,50 Euro im Monat erhält des Kind Schulmaterial und ein Weihnachtsgeschenk. (Die Kinder ohne Paten bekommen auch ein Geschenk!) Anfangs gab es nur einige Paten aus Schule und Gemeinde, dann erschien ein Artikel im Tagesspiegel, der neben neuen Kontakten auch zwei Artikel in Frauenzeitschriften nach sich zog. Die Zahl der Paten wuchs, die Anzahl der neuen Kinder stieg allerdings schneller.

Das kleine Haus ( rund 140 Quadratmeter) war sehr baufällig, feucht und überhaupt nicht erdbebensicher, das Dach bestand aus Balken, Brettern, Dachpappe usw. In Lima besteht berechtigte Furcht vor Erdbeben, die keine Seltenheit sind.

Ab Dezember 1997 wurde ein praktisch neues Haus errichtet. Im Juli 1999 wurde es eingeweiht. Es gibt einen großen Raum für den Unterricht, je eine Toilette mit Dusche für Jungen und Mädchen, eine Küche mit Vorratsraum, ein Büro, das auch von der Psychologin oder zum Unterrichten benutzt werden kann und eine Toilette, zu der auch Rollstuhlfahrer gelangen können. Im Jahr 2001 wurde durch eine großzügige Spende von Professor Dr. Büchsel ein Obergeschoss gebaut. Es gibt ein Büro, 5 kleine Räume und 2 Toiletten mit Duschen. Auf dem Dach stehen einige Spielgeräte, die trotz des maroden Zustandes begeistert genutzt werden.

Stand Mai 2003:

Mitarbeiter: Gremium von 3 Leitungskräften für Organisation, Auszahlung der Gehälter, Buchführung, Koordination und Kontakt nach Deutschland, 2 Lehrerinnen, 1 Psychologin, 1 Sozialarbeiterin, 2 Studenten, 1 Unterrichtshilfe, eine Frau, die das Haus putzt, bewacht und dort lebt.

Alle Mitarbeiter arbeiten Teilzeit.

Es sind etwa 160 Kinder eingeschrieben. Sie bekommen in verschiedenen Gruppen am Vor- oder Nachmittag Förderunterricht und Schularbeitshilfe. Es gibt auch eine kleine Mahlzeit, die von Müttern bereitet wird, gemeinsame Spiele und Ausflüge. Das Alter der jungen Besucher liegt zwischen 6 und 16 Jahren.

Im Jahr 2002 haben Mütter und Mitarbeiterinnen durch 2 Aktivitäten Geld für Schulbücher und eine Musikanlage verdient.

Es soll ein Kurs zur Herstellung von Backwaren und ein Nähkurs angeboten werden. Einige Mütter wollen lesen und schreiben lernen.

Eine Gruppe geistig behinderter Kinder ist integriert und wird an einigen Nachmittagen von einer Sonderschullehrerin betreut. Martmany zahlt den Transport zur Sonderschule am Vormittag, den sich die Eltern nicht leisten können.

Ein gehörloser Junge ohne Eltern wird auf Kosten seiner Patin in einer christlichen Schule für Gehörlose gefördert.

Mehrere unserer "ältesten Kinder" haben die Oberschule beendet. Ich zerbreche mir den Kopf, wie man ihnen zu einer Berufsausbildung verhelfen kann, die in Lima Geld kostet. Einige Jugendliche können jetzt mit Hilfe aus Deutschland Teilstipendien erhatten.

Dank der Hilfe der katholischen Schule St. Alfons in Berlin untersuchte und behandelte eine Zahnärztin im Jahr 2000 und 2001 die Zähne der Kinder, die normalerweise den Zahnarzt erst aufsuchen, wenn der Zahn kaum noch zu retten ist. Das soll auch in diesem Jahr geschehen.

Herr Dr. Brackertz aus Berlin hat das Projekt im Januar 2000 besucht, sich mit den Mitarbeiterinnen getroffen und mit ihnen und den Kindern einen Ausflug gemacht. Besuch aus Berlin gab es auch im Jahr 2002 und 2003.

Eine junge Berlinerin lebte 6 Monate im Haus und gab in ihrer Freizeit einigen größeren Kindern Englischunterricht.

Probleme: Unpünktlichkeit einiger Mitarbeiterinnen, Streit untereinander, Unzuverlässigkeit, 1999 kündigten die beiden langjährigen Sozialarbeiterinnen, da sie mit der neuen Leitung nicht einverstanden waren. Die Kinder und Mütter trauerten ihnen sehr lange nach.

Anfang 2003 wurde der Vertrag der Sonderschullehrerin nicht verlängert, weil sie ihre Unpünktlichkeit nicht in den Griff bekam. Auch das führte zu Problemen innerhalb der Gruppe.

Die Sozialarbeiterinnen wechseln oft, da sie immer auf der Suche nach einer besseren Stellung sind. Zwei junge Mädchen sind ohne Ausbildung schwanger geworden, ein Jugendlicher hat seine Ausbilddungsbeihilfe für seine Freizeit verbraucht und die Belege gefälscht, einer ist durch die Prüfung gefallen.....

Viele Mütter helfen zu wenig mit oder kommen nicht, obwohl sie es versprochen haben.

Das Geld reicht nicht, um das zu tun, was man machen möchte und sollte..........

Aber: Es ist tausendmal besser, auch nur eine Kerze anzuzünden, als über die Dunkelheit zu schimpfen.

Susanne Stiegert-Krumhauer


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