Heilig Geist auf den Spuren Jesu im Heiligen Land
23 erschöpfte Pilgerinnen und Pilger kehrten am Montag, dem 23.05.2011, von ihrer Pilgerfahrt nach Israel heim, die die Firma
Bienert + 50-Reisen zusammen mit der Gemeinde Heilig Geist angeboten hatte. Knapp acht Tage hielten sie sich im Heiligen Land auf. Die Folge:
Eindrücke über Eindrücke. Es wird sicher noch Tage und Wochen dauern, bis alles verarbeitet oder seelisch verdaut ist. Wir werden kurz etwas zum Verlauf der Reise sagen und dann die Eindrücke zu schildern versuchen. Die Gruppe aus Frauen und
Männern, evangelischen und katholische Christen, aus drei Priestern und zusätzlich zwei Personen, die die Reiseleitung bildeten,
unternahm eine Rundreise im Heiligen Land, ausdrücklich keine Ferienfahrt, kein Badeurlaub, sondern eine Pilgerreise. In einem
ersten geistlichen Impuls , der mit einem Text aus der Hebräischen Bibel, dem Alten Testament, wie Christen es nennen, hieß es unter anderem: „Und er
(Mose) sah hin, und siehe, der Dornbusch brannte im Feuer, aber der Dornbusch verbrannte nicht.
Da dachte Mose: ‚Ich will doch hingehen und dieses seltsame Schauspiel näher betrachten, warum der Dornbusch nicht verbrennt.’
Als Jahwe sah, dass er herantrat, um nachzusehen, rief Gott ihm aus dem Dornbusch zu: ‚Mose! Mose!’
Dieser antwortete: ‚Hier bin ich.’
Da sprach er: ‚Tritt nicht näher heran! Ziehe deine Schuhe von den Füßen, denn der Ort, auf dem du stehst, ist heiliger Boden!’
Und er fuhr fort: ‚Ich bin der Gott deines Vaters, der Gott Abrahams, der Gott Isaaks und der Gott Jakobs.’“ Und weiter sagte
der Impuls-Sprecher: „Mir geht es ein bisschen so wie Mose. Ich beginne zu begreifen, dass wir heiligen Boden betreten haben.
Und ich möchte uns mit dieser Meditation darauf einstellen und vorbereiten, dass es uns auch so gehen kann wie Mose. Dass
wir möglicherweise Gott begegnen. Und wahrscheinlich ganz anders als erwartet.“
Hier zunächst ein "Itinerarium" von Manfred Stiebler, das den Ablauf der Reise detailliert darstellt, zum Runterladen .
Nach einem fast vierstündigen Flug landete die Gruppe in auf dem Flughafen Ben Gurion in Tel Aviv. In einem eigens gecharterten
Bus, der der Gruppe die ganze Zeit über zur Verfügung stand, ging es zum ersten Hotel in Natanya am Mittelmeer. Schwerpunkte
des zweiten Tages waren Caesarea mit der Besichtigung des römischen Amphitheaters und der Burg der Kreuzritter und Haifa mit
einer Stadtrundfahrt und der genussvollen Besichtigung des Bahai-Schreins mit den Persischen Gärten. Die Gruppe genoss in
der Tat einen unglaublichen Blick über die blühenden Gärten über die Stadt Haifa bis hin zum Mittelmeerhafen unter strahlend
blauem Himmel.
Die nächste Zeit gehörte Galiläa mit dem See Genesaret mit Hotelstandort in Tiberias. Schwerpunkte unseres Weges auf Jesu
Spuren – Pater Brunner, der Pfarrer der Gemeinde Heilig Geist, wurde nicht müde, immer wieder zu betonen, wir bewegen uns
auf Heiligem Land, hier wurde Gott Mensch, wurde geboren, lebte hier, wanderte, predigte, heilte, freute sich am Leben, ging
über diesen Boden, fuhr auf dem See Genesaret und starb in Jerusalem – waren der Berg der Seligpreisungen, Kafarnaum mit seiner
Synagoge und dem Haus des Petrus. Jesus predigte hier häufiger als in jeder anderen Stadt, hier gab es mehr Zeichen seiner
Allmacht als anderswo. Am Seeufer von Karfarnaum gewann er seine ersten Jünger, Fischer vom See. Am Ufer des Sees feierte
die Gruppe Eucharistie. Im Mittelpunkt der Botschaft stand die Begegnung der Fischer-Jünger mit dem auferstandenen Herrn: "... Jesus sagte zu ihnen: Kommt her und esst! Keiner
von den Jüngern wagte ihn zu fragen: Wer bist du? Denn sie wussten, dass es der Herr war. Jesus trat heran, nahm das Brot
und gab es ihnen, ebenso den Fisch. Dies war schon das dritte Mal, dass Jesus sich den Jüngern offenbarte, seit er von den
Toten auferstanden war." In Nazaret besuchte die Gruppe die gewaltige Verkündigungskirche. Ist eine so große Kirche dem kleinen
Nazaret angemessen? Der Verfasser meint uneingeschränkt Ja. Immerhin sagte hier Maria, stellvertretend für uns Menschen, ihr
Ja zu einem neuen Bund, den Gott uns anbot.
Die Ankunft in Jerusalem war einfach der Höhepunkt der Reise. Marianne, die großartige israelische Reisebegleiterin, inszenierte
sie mit der Hinauffahrt zum Skopus-Berg mit einem weiten Blick über die Heilige Stadt. Hier gab es Brot und Wein zur Begrüßung,
die Gruppe, sicher so mancher mit einer Träne im Auge, sang das Lied „Ihr Mächtigen, ich will nicht singen eurem tauben Ohr.
Zions Lied hab ich vergraben in meinen Wunden groß. In deinen Toren werd ich stehen, du freie Stadt Jerusalem. In deinen Toren
kann ich atmen, erwacht mein Lied …“ Die weiteren Besuchspunkte in Jerusalem: Altstadt, Grabeskirche, Ölberg, Abendmahlssaal,
Klagemauer, Jüdisches Viertel, Garten Gethsemane. Eindrucksvolle Abstecher von Jerusalem waren Bethlehem, durch Mauer, Wachttürme
und Kontrollpunkt von Israel getrennt - Hier feierte die Gruppe auf den Hirtenfeldern ihre zweite Eucharistie - und das Tote
Meer mit seinen 400 Metern unterm Meeresspiegel, Masada am Südzipfel des Toten Meeres, ein 440 m hohes Felsmassiv, das Herodes
sich mit Hilfe tausender Sklaven zu einem Zufluchtsort mit allem möglichen Luxus ausbaute. Heute kann man mit einer Drahtseilbahn
komfortabel hinaufgelangen, die hervorragend restaurierten Anlagen betrachten, man hat einen unvergleichlichen Blick über
das Tote Meer und die Wüste. Zurück ging es über Qumran zu einem kleinen Badeaufenthalt am Toten Meer. Weitere Höhepunkte
in Jerusalem waren die Chagall-Fenster im Neuen Hadassah-Krankenhaus und die Gedenkstätte Yad Vashem.
Shalom
Shalom – Frieden, so heißt der unvergleichliche Gruß der Israelis. Das Wort „unvergleichlich“ kommt ein bisschen häufig im Bericht vor. Inflation? Nein. Wirklichkeit. Auf der Reise gab es so viel, was wirklich nicht mit etwas anderem verglichen werden kann. Shalom – Frieden, dieser Wunsch ist der Wunsch einer ganzen Region. Nirgends woanders hat der Verfasser so viele junge Menschen auf den Straßen gesehen. Feiernd, singend, lachend, rufend, auch in Uniform, zum Teil mit der Maschinenpistole über der Schulter, Mädchen und Jungen. Leben wollen die Menschen in dieser Region, eine Zukunft haben, in sicheren Grenzen leben, in guter hilfreicher Nachbarschaft, in Israel wie in Palästina, Juden, Moslems, Christen. Drei Religionen, ein Gott. Die Bitte des Verfassers an der Klagemauer: „Gott, befähige die Menschen dieser Region, dass sie miteinander leben und sich nicht hassen, umbringen, zerfleischen, überfallen, dem anderen etwas wegnehmen, den anderen umbringen, beseitigen. Gott, sei Du der Gott aller Menschen, sei Du der Gott des Friedens!“
In der nächsten Jugendmesse stellen sich unsere Firmlinge die Frage:
„Wie finde ich den Weg zu Gott?“
Diese Frage stellte sich ja auch den Pilgern aus Heilig Geist. Die Frage ist uralt. In dem oben zitierten Text aus dem Buch Exodus stellte sich die Frage auch Mose. Er hat die Begegnung mit Gott nicht selber provoziert. Nicht er begegnete Gott, Gott begegnete ihm. Aber nicht jeder sieht einen brennenden Dornbusch. Er sah ihn. Er war jenseits der Mühe um die eigene Existenzsicherung, jenseits der Suche nach Lebensgenuss, nach Spaß, nach Wellness und so weiter und so weiter offen für eine andere Erfahrung (vgl. auch den Text der „Botschaft“ am See Genesaret während der Heiligen Messe). Wir Christen kennen einen Weg zu Gott. Im Heiligen Land begegnet man seinen Spuren auf Schritt und Tritt. Jesus, der „heruntergekommene Gott“ ist der Weg zu Gott, der einzige Weg zu Gott. Wer bereit ist, sich auf Jesus einzulassen, der wird Gott finden. Sich auf Jesus einzulassen heißt, sich auf Menschen einzulassen, die seine Botschaft „durch ihre Brille“, das heißt durch ihren Lebensweg, durch ihre Erfahrung, durch ihren Glauben sehen und aussprechen. Wie viele andere Pilgerinnen und Pilger aus aller Herren Länder zogen von Heiligtum zu Heiligtum. Manchmal schüttelte man den Kopf über diese „frommen Touris“. Man kann es auch anders sehen. Menschen suchen Leben. Vielleicht wurde ihnen das spaßige Leben nicht zuteil. Oder sie suchen mehr als das spaßige Leben…
Die Spannung in der Region war deutlich zu spüren
Guido Knopp schreibt im Vorwort des von ihm herausgegebenen Buches „Heimkehr in die Fremde“: „Die Tragik des Konfliktes hat historische Dimensionen. Seinen Anfang nahm er, als sich vor mehr als hundert Jahren die ersten jüdischen Siedler in Palästina niederließen. Die Ankunft im ‚Gelobten Land’ war für sie die Erfüllung einer biblischen Verheißung. Doch die Anstrengungen der Juden, in Zion das alte Königreich Israel zu errichten, prallten auf das wachsende Nationalbewusstsein von Arabern, die dort seit zwei Jahrtausenden lebten. Seitdem ist die Frage ungelöst, wie zwei Völker miteinander auskommen sollen, die ein Land als ihre Heimat betrachten. Beide Seiten berufen sich auf ihre Geschichte und ihre Religion. Hier steht nicht Recht gegen Unrecht, sondern Recht gegen Recht – darin liegt die Tiefe des Problems.“
Kern der jüdischen Religion wie der christlichen ist ein Bund Gottes mit den Menschen. In der Religion geht es gleichermaßen um Heilsbotschaft und Heilsweg. Hans Küng und Josef van Ess schreiben in ihrem Büchlein „Christentum und Weltreligionen: ISLAM“: „Religion vermittelt einen umfassenden Lebenssinn, garantiert höchste Werte und unbedingte Normen, schafft geistige Gemeinschaft und Heimat.“ – und nicht Krieg.
Im eben zitierten Büchlein schreibt Hans Küng: „ Die fanatischsten, grausamsten politischen Kämpfe sind die von Religionen
eingefärbten, inspirierten, legitimierten politischen Kämpfe. Dies auszusprechen heißt nicht, die angesprochenen Konfliktherde
auf Religionskämpfe zu reduzieren, sondern heißt, die religiös-ökumenische Mitverantwortung ernst zu nehmen für eine Befriedung
unserer friedlos-zerrissenen Welt. Christen, Juden und Muslime, Hindus und Buddhisten sind hier gleichermaßen herausgefordert.
Wie viel wäre den betroffenen Völkern und der übrigen Welt erspart geblieben, wenn die Religionen ihre Verantwortung, für
Frieden, Nächstenliebe und Gewaltlosigkeit, für Versöhnung und Vergebung früher erkannt hätten, wenn sie statt Konflikte mitgeschürt
Konflikte mitgelöst hätten – nach dem Beispiel des Hindu Mahatma Gandhi, des Christen Dag Hammarskjöld, des Muslimen Anwar
al-Sadat und des Buddhisten U Thant, die alle aus religiöser Grundüberzeugung Friedenspolitik betrieben.“
Joachim Mordeja
Hier können Sie ein kleines Foto-Album mit 56 Fotos öffnen und ansehen.
Die Chagall-Fenster in Jerusalem
Die einzelnen Fenster sind 3,4 m hoch und 2,5 m breit. Bei der Betrachtung der einzelnen Fenster fehlt uns nun leider der Gesamteindruck des Kunstwerks, insbesondere das nach oben strebende Gefühl, das man auch beim Betreten einer gotischen Kapelle hat.
Wie gesagt, das Thema der Fenster sind die zwölf Söhne Jakobs und damit auch die zwölf Stämme Israels. Die Motive beziehen sich auf die Segenssprüche Jakobs für seine zwölf Söhne im 1. Buch Moses, Kapitel 49 und auf die Segnungen Moses für die zwölf Stämme Israels im 5. Buch Moses, Kapitel 33.
Die Farben wählte Chagall nach den Anweisungen Moses für die Gewänder der Priester, wie sie im 2. Buch Moses, im Exodus im Kapitel 28 stehen. Für die Farben sind dort angegeben: Blau, Rot, Grün und Gold oder Gelb.
Wie wir ja wissen, hat Chagall seine Bilder in der Regel nicht erklärt. Er sagte einmal:
„In diesen Fenstern wollte ich das Mysterium und die Spiritualität zum Ausdruck bringen, die ich in Israel zutiefst empfinde. Auch nachdem ich dies zu erreichen suchte, habe ich noch immer keine Theorie für meine Arbeitsweise. Ich habe nicht versucht, irgendeiner Theorie zu folgen. Gott schuf den Menschen ohne eine Theorie, und Kunst wird am besten ohne eine Theorie hervorgebracht. Das einzige, was in unserer Macht liegt, ist für die Kunst zu arbeiten. Das übrige erledigt Gott.“ Hier Erklärungen zu den zwölf einzelnen Fenstern
