2.5.20 Gottedienst für daheim

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Kleine Sonntagsliturgie für daheim

in Zeiten der Corona-Pandemie

4. Sonntag der Osterzeit (A) – Sonntag 3. Mai 2020

© Lydia Funke

Zur Einstimmung: (GL 144): Nun jauchzt dem Herren, alle Welt:

1) Nun jauchzt dem Herren alle Welt!
Kommt her, zu seinem Dienst euch stellt,
kommt mit Frohlocken, säumet nicht,
kommt vor sein heilig Angesicht.

3) Wie reich hat uns der Herr bedacht,
der uns zu seinem Volk gemacht;
als guter Hirt ist er bereit,
zu führen uns auf seine Weid.

6) Er ist voll Güt und Freundlichkeit,
voll Lieb und Treu zu jeder Zeit.
Sein Gnad währt immer dort und hier
und seine Wahrheit für und für.

7) Gott Vater in dem höchsten Thron
und Jesus Christus, seinem Sohn,
dem Tröster auch, den Heilgen Geist,
sei immerdar Lob, Ehr und Preis.

Kreuzzeichen:

Im Namen des +Vaters und des +Sohnes und des +Heiligen Geistes. Amen.

Gebet:

Du guter Hirte, Jesus. Immer wieder sind wir gefangen in unseren alltäglichen Sorgen und sehnen uns gerade jetzt in diesen unsicheren Zeiten danach, die nächsten Schritte zu kennen, die wir gehen sollen. Als deine geliebten Töchter und Söhne vertrauen wir darauf, dass Du den Weg für uns weißt und ihn uns auch zeigen willst. So bitten wir dich: öffne unser unruhiges Herz für dein Wort, damit wir es hören und bei dir den Frieden finden können, den die Welt uns nicht zu geben vermag. Amen.

Evangelium: Joh 10,1-10

 „Merkt euch gut, was ich jetzt sage,” forderte Jesus seine Zuhörer auf. „Wer nicht durch die Tür in den Schafstall geht, sondern heimlich einsteigt, der ist ein Dieb und Räuber. Der Hirte geht durch die Tür zu seinen Schafen. Ihm öffnet der Wächter das Tor, und die Schafe erkennen ihn schon an seiner Stimme. Dann ruft der Hirte jeden mit seinem Namen und führt ihn auf die Weide. Er geht vor ihnen her und die Schafe folgen ihm, weil sie seine Stimme kennen. Einem Fremden würden sie niemals folgen. Ihm laufen sie davon, weil die fremde Stimme sie erschreckt.” Die Leute, denen Jesus dieses Gleichnis erzählte, verstanden nicht, was er damit meinte. Deshalb erklärte er ihnen: „Ich sage euch die Wahrheit: Ich selbst bin die Tür, die zu den Schafen führt. Alle, die sich vor mir als eure Hirten ausgaben, sind Diebe und Räuber. Doch die Schafe haben nicht auf sie gehört. Ich allein bin die Tür. Wer durch mich zu meiner Herde kommt, der wird gerettet werden. Er kann durch diese Tür ein- und ausgehen, und er wird saftig grüne Weiden finden. Der Dieb kommt nur, um die Schafe zu stehlen, zu schlachten und zu vernichten. Ich aber bin gekommen, um ihnen das Leben zu bringen, das Leben in seiner ganzen Fülle.

Impulse zum Nachdenken oder für ein Gespräch über das Evangelium:

Schafe sind selten geworden. Hirten ebenso. Umso erstaunlicher, dass wir in unserer Umgangssprache weiterhin diese Bilder benutzen. Wir alle kennen ja das „dumme Schaf“ unter den Kollegen oder das „schwarze Schaf“ in der Familie. So sehr wir vertraut sind mit dieser Bildsprache im Alltag, so befremdlich wirkt das Bild vom „guten Hirten“ auf uns, das uns Jesus heute im Evangelium anbietet. Hirt und Herde: das klingt eben doch verdächtig nach „Leithammel“ und „Herdentrieb“ und ist genau das, was wir eben nicht wollen: fremdbestimmt und dumm durchs Leben trotten, nur eine(r) sein unter vielen, sich gängeln lassen von anderen. Verführt der Text des Evangeliums aber nicht genau dazu? Fördert er nicht ein Bild von einem autoritären Gott, der den Menschen in seiner Freiheit einschränkt und ihn gleichsam „für dumm verkauft“? Mitnichten, denn jeder Schäfer wird uns bestätigen, dass Schafe alles andere als dumm sind. Sie kennen genau die Stimme des Hirten. Sie vertrauen ihm, weil sie instinktiv spüren, dass er sie nicht ausnutzen will. Deswegen laufen sie ihm hinterher. Auch die Freunde Jesu vertrauen darauf, dass er es gut mit ihnen meint. Aus Erfahrung wissen sie, dass es sich lohnt, auf ihn zu hören. Deswegen folgen sie ihm. Auch uns will Jesus keineswegs ängstlich und klein in den Stall von Dogma und Gesetz einsperren. Das würde uns letztlich krank machen und zugrunde gehen lassen. Vielmehr schenkt Jesus jenen, die sein Wort hören und ihm folgen, die ersehnte Freiheit. Er weist den Weg zum vollen, zum satten, ja, zum „ewigen“ Leben und gibt dem Menschen – wie ein guter Hirt eben – den nötigen Halt und auch Schutz vor den „wölfischen“ Bedrohungen dieser Welt. Nichts und niemand wird dem Menschen, der sich Jesu Führung im Leben anvertraut, Schaden zufügen können.

Lied: (GL 421): Mein Hirt ist Gott der Herr:

1) Mein Hirt ist Gott, der Herr, er will mich immer weiden,
darum ich nimmermehr kann Not und Mangel leiden;
er wird auf grüner Au, so wie ich ihm vertrau,
mir Rast und Nahrung geben und wird mich immerdar
an Wassern, still und klar, erfrischen und beleben.

2) Er wird die Seele mein mit seiner Kraft erquicken,
wird durch den Namen sein auf rechte Bahn mich schicken,
und wenn aus blinder Wahl ich auch im finstern Tal
weitab mich sollt verlieren, so fürcht ich dennoch nicht;
ich weiß mit Zuversicht, du, Herr, du wirst mich führen.

4) Du hast mein Haupt getränkt, gesalbt mit Freudenöle,
den Kelch mir eingeschenkt, hoch voll zur Lust der Seele.
Herr, deine Gütigkeit wird durch des Lebens Zeit
mich immer treu begleiten, dass ich im Hause dein
fest möge wohnhaft sein, zu ewiglichen Zeiten.

Fürbittgebet:

Herr Jesus Christus, wir tragen eine tiefe Sehnsucht in uns: nach einer Welt, in der wir in Frieden und Gerechtigkeit leben können; nach einer Kirche, in der wir im Glauben gestärkt werden und in den Sakramenten deine liebende Nähe erfahren; nach Beziehungen, die uns tragen, stützen und in schweren Zeiten Halt geben.

In allen Sorgen und Nöten übersehen wir oft, dass du schon mitten unter uns bist; dass du uns mit deiner Liebe durchdringen und in deine Nachfolge rufen willst, damit wir inneren Frieden finden und zu Friedensstiftern werden.

Hilf uns, dich zu erkennen und deine Stimme zu hören. Zeige uns, wie wir Hoffnung schenken können. Ermutige uns, deine Frohe Botschaft zu verkünden und unsere Talente und Gaben in deinen Dienst zu stellen. Gib uns die Kraft, uns für den Frieden einzusetzen und in Welt und Kirche Versöhnung zu stiften.

Dabei dürfen wir gewiss sein, dass du alle Wege mit uns gehst. Im Kreuz hast du Hass und Gewalt durch deine Liebe überwunden. In deiner Hingabe schenkst du uns Hoffnung, wenn wir an Grenzen stoßen und keine Perspektive mehr sehen.

Lass uns darauf vertrauen, dass du Friede und Heil schenken kannst. Festige unsere Treue im Gebet und bestärke uns darin, auch für andere zu beten, die nach deinem Willen handeln und auf dem Weg ihrer Berufung Frieden finden wollen.

So bitten wir dich: Sende auch heute Arbeiter in deinen Weinberg, die in unserer Welt für deinen Frieden wirken. Rufe junge Menschen, die als Priester, in der Vielfalt des geweihten Lebens oder in den zahlreichen kirchlichen Berufen das Evangelium bezeugen, und zeige uns, welchen Beitrag wir in deiner Nachfolge leisten können.

Herr Jesus Christus, Friedensfürst, du lässt uns nicht allein, du bist mitten unter uns gegenwärtig und stärkst uns für unseren Auftrag. Dir sei Ehre und Lob in Ewigkeit.
Amen.

Vater unser:

Beten wir mit allen Christenmenschen so, wie Jesus selbst uns zu beten beigebracht hat: Vater unser im Himmel…

Lied: (GL 366): Jesus Christus, guter Hirte:

  1. Jesus Christus, guter Hirte, / Hoherpriester, Osterlamm,

für das Lamm, das sich verirrte, / starbst du an dem Kreuzesstamm.

  1. Baum des Lebens, Strom des Heiles, / edler Weinstock, Himmelsbrot,

du nur kannst und führst die Deinen / in das Leben aus dem Tod.

  1. Wort des Vater, offne Türe, / Licht der Stadt Jerusalem,

lass uns deine Stimme hören, / lass uns deine Wege gehen.

Segen: 

Der Gott des Lebens segne uns, wenn wir seinen Ruf hören

und wenn seine Stimme uns lockt zu einem neuen Aufbruch. – Amen.

Der Gott des Lebens lasse sein Angesicht über uns leuchten,
wenn in uns Vertrauen und Zuversicht zu schwinden drohen. – Amen.

Der Gott des Lebens sei uns gnädig, wenn Angst uns befällt

und wir Schutz suchen bei ihm vor den Stürmen den Nacht. – Amen.

Und so segne uns und all die Menschen, mit denen wir uns verbunden fühlen:

der + Vater, der + Sohn und der + Heilige Geist. Amen.

Zum Ausklang: (GL 487): Nun singe Lob, du Christenheit:

  1. Nun singe Lob, du Christenheit, / dem Vater, Sohn und Geist

Der allerort und allezeit, / sich gütig uns erweist.

  1. Du guter Hirt, Herr Jesu Christ, / steh deiner Kirche bei,

dass über allem, was da ist, /ein Herr, ein Glaube sei.

  1. Herr, mache uns im Glauben treu / und in der Wahrheit frei,

dass unsere Liebe immer neu / der Einheit Zeugnis sei.

Für den Tag und für die Woche:

Immer wieder
Ringen zwischen Gott und Mensch:
GOTT, der beruft,
Menschen, die den Ruf hören.
GOTT, der beauftragt,
Menschen, die der Auftrag ängstigt.
GOTT, der fordert,
Menschen, die sich überfordert fühlen.

Immer wieder Gottes Zusage:
ICH bin bei dir.
ICH stärke dich.
ICH schütze dich.
ICH verlasse dich nicht.

Immer wieder Menschen,
die sich in seinen Dienst nehmen lassen,
die über sich hinauswachsen,
die seinen Auftrag erfüllen:

Abraham, der in die Fremde zieht,
Mose, der sein Volk führt,
David, der den Goliath besiegt.
Maria, die ihr Amen sagt,
Jünger, die alles verlassen,
Menschen, die für ihn Zeugnis geben.

Wir alle
von GOTT berufen.
Immer wieder. Bis heute.

© Gisela Baltes

© Norbert Cuypers SVD