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Brief 2020

Liebe Patinnen und Paten, liebe Freundinnen und Freunde von Martmany,

ich hoffe, dass Sie alle gesund sind und dass Sie möglichst wenig unter der Pandemie leiden. So viele Menschen in Deutschland sind ja auf verschiedene Art und Weise besonders betroffen, durch Erkrankungen in der Familie, durch längere Trennung von geliebten Menschen, die man nicht besuchen kann, durch den Stress von Homeschooling und Arbeit zu Hause,  durch Kurzarbeit oder sogar den Verlust des Arbeitsplatzes oder der Firma…..

In Lima bei Martmany ist alles noch viel schwieriger als in Berlin. Eigentlich hat die Regierung schnell reagiert, alles wurde geschlossen, Schulen, Universitäten, Buslinien, Läden, Fabriken, alle Menschen mussten zu Hause bleiben, man konnte nur noch Lebensmittel  kaufen oder zur Apotheke gehen. Soweit  die Theorie….

Lima hat etwa 8,5 Millionen Menschen. Es gibt offiziell  etwa 105 000 Infizierte und  1786  Tote. Die wirklichen Zahlen sind sicher viel höher. Die Zahl der Erkrankten steigt noch täglich. In Lima ist nachts und sonntags Ausgehverbot. Independencia gehört zu den besonders stark betroffenen Bezirken.  Kinder unter 14 Jahren dürfen dort das Haus nicht verlassen. Diese Quarantäne geht schon seit Mitte März. Sie gilt noch mindestens bis Ende Juni.

Alle Menschen, die im informellen Sektor arbeiten (Händler, Verkäufer, Taxifahrer Arbeiter ohne Verträge…) – das sind die meisten - , verdienen kein Geld mehr und können nichts zu essen kaufen, die Miete nicht zahlen usw. Bei Martmany arbeiten die allermeisten Menschen so. Der Staat half sehr armen Familien mit etwas Geld, sie bekamen einmalig etwa 80 % des  Mindestlohns. Allerdings erhielten  viele Bedürftige nichts, da die Statistiken und Daten nicht aktuell sind. Nun soll es für die, die nichts bekommen haben und sehr arm sind, auch etwas geben. Das scheint allerdings nicht zu klappen. Einmal in 3,5 Monaten 80 % des monatlichen  Mindestlohns zu erhalten reicht  nicht zum Überleben aus. Der Mindestlohn reicht eher für eine Person, nicht für eine Familie. Daher sind die Straßen voller ambulanter Händler, die versuchen, etwas zu verkaufen und etwas zu verdienen. Einige Busse fahren wieder und die Menschen stecken sich dort in großer Zahl mit Covid 19 an. Das Gesundheitssystem ist kollabiert, die meisten Menschen sterben zu Hause, da die Krankenhäuser überfüllt sind. Der Markt, wo die Familien von Martmany kaufen, ist geschlossen worden, weil so viele Händler krank sind und die anderen Menschen anstecken. Die Lebensmittelpreise steigen immer weiter.

In der letzten Woche haben die 25 ärmsten Familien von Martmany von uns jeweils 150 Soles (etwa 40 €) bekommen und die Schulsachen für die Kinder, die schon vor schon vor Corona gekauft wurden. Die anderen Familien bekamen 100 Soles und Schulmaterial, denn bedürftig sind alle. Alles geschah ohne Annäherung, Berührung usw. Statt Unterschrift auf einer Quittung wurde ein Foto gemacht. Die Mitarbeiterinnen von Martmany haben große Angst vor Ansteckung, da sie meist zu einer Risikogruppe gehören und weil sie oft sehr beengt mit vielen Angehörigen leben. Außerdem kennen sie das marode Gesundheitssystem.

Die Schulen sollen übrigens bis Dezember geschlossen bleiben, das ist das gesamte Schuljahr!!! Wahrscheinlich muss Martmany dann auch geschlossen bleiben, fürchte ich. Jede Schule behilft sich so, wie sie kann. Einige versenden Arbeitsbögen und Hausaufgaben an die Schüler per Internet oder Handy. Es gibt kleine Programme im Radio und Fernsehen. Computer haben die wenigsten zu Hause, Handys schon. Die Eltern schimpfen, denn die Kinder bekommen zum Teil ganz viele Aufgaben aber natürlich keine Hilfe. Inwiefern die Mitarbeiterinnen von Martmany helfen können und wollen, weiß ich noch nicht genau. Die Lehrerin Hilda ist schon recht aktiv dabei, Rocio hat sich angesteckt und ist krank im Bett, Maria ist schon in Rente und kennt sich mit Technik nicht aus. Auch die Psychologin und die Sozialarbeiterin könnten wenigstens Beratungsgespräche per Telefon führen. Aber Telefonieren ist auch teuer, es kostet mehr als hier. Ich kann es natürlich bezahlen, aber es ist fraglich, ob Mütter anrufen werden. Ich habe auch keine Idee, wie man Hausaufgaben gut per Telefon erklären kann.

Gerne würde ich den Familien noch einmal Geld für Lebensmittel geben. Wegen Corona werde ich aber in diesem Jahr weniger Geld für Martmany haben, da die zwei geplanten Tombolas auf dem Schulfest und auf dem Gemeindefest ausfallen und es auch kein Gemeindefrühstück gibt, bei dem ich immer Sachen aus Peru angeboten hatte.

Falls einige von Ihnen, liebe Förderinnen und Förderer von Martmany, etwas Geld spenden möchten, damit die Familien von Martmany in Lima über die Runden kommen, wäre ich  Ihnen gemeinsam mit den Eltern, Kindern und Mitarbeiterinnen  dort sehr dankbar.

Bleiben Sie gesund! Herzlichen Dank und viele Grüße,

Susanne Stiegert-Krumhauer

IBAN: DE28 1008 0000 0408 7409 01  Susanne Stiegert-Krumhauer