Meldung

Festvortrag zur Eröffnung des Festjahres

Liebe Gemeinde, liebe Mitchristen, liebe Gäste

herzlich willkommen zu meinem kleinen Festvortrag anläßlich des 100. Geburtstages unserer Gemeinde Heilig Geist.

Ich freue mich darüber und fühlte mich sehr geehrt, als man mich bat, diese Rede zu halten, die sowohl einen Rückblick als auch einen Ausblick auf unser Festprogramm geben soll.

100 Jahre Heilig Geist…

Am 2. Juli 1922 fand der erste Gottesdienst der neu gegründeten Gemeinde Heilig Geist in der Hauskapelle der St. Elisabeth-Schwestern in der Nussbaumallee statt.

Erinnern Sie sich noch?

Es war ein kühler, nasser Juli damals und nach 10 Tagen Dauerregen brach endlich die Sonne durch. Auch wenn es mit gut 19 Grad noch etwas zu kühl für den Juli war…

Charlottenburg, 1920 gerade erst eingemeindet, zählte damals ungefähr eine halbe Million Einwohner, darunter gut 40.000 Katholiken, deren geistlicher Mittelpunkt die Herz-Jesu-Kirche in der damaligen Lützowstraße, heute Alt-Lietzow, war.  Die Kirche war natürlich viel zu klein für diese Anzahl an Gläubigen, so dass beschlossen wurde, zu wachsen und Tochtergemeinden abzuzweigen. Bernhard Lichtenberg, damals Pfarrer der Herz Jesu Gemeinde, gelang es, die Steyler Missionare für die Errichtung der „Kuratie zum Heiligen Geist“ zu gewinnen.

Pater Riedel, der erste Kuratus der Gemeinde, kam nach Berlin, und wohnte zunächst bei den Schwestern in der Nußbaumallee. Den Grundstock seiner Gemeinde machten 15 Karteikarten mit Gemeindemitgliedern aus, doch die darauf Verzeichneten – waren nicht mehr da.

Was nun tun? Kurzerhand ermittelte er die katholischen Schülerinnen und Schüler und lud sie regelmäßig in den Klostergarten – mit Erfolg, denn schon 1923 konnte er 10 Kinder zur Erstkommunion führen. Mit den Kindern kamen die Eltern und schon bald musste die Zahl der Gottesdienste am Sonntag erhöht werden.

Zudem wuchs auch Westend zusehends an. Westend, das ursprünglich auf dem Gebiet zwischen Spandauer Damm und der heutigen Reichsstraße als Villen-Vorort nach englischem Vorbild errichtet wurde – der Name Westend nahm und nimmt Bezug auf den noblen Londoner Stadtteil – wuchs nach Süden und Westen weiter: Neu-Westend entstand. Der U-Bahnhof „Reichskanzlerplatz“, heute Theodor-Heuss-Platz, brachten 1908 den Anschluss an das Berliner U-Bahnnetz. Die im alten Westend rechtwinklige Straßenführung wurde außerhalb der Hauptachsen - dem Zeitgeist gemäß -durch geschwungene Linien ersetzt. Und statt wie das alte Westend mit Villen wurde Neu-Westend mehrheitlich mit Miets- und Reihenhäusern bebaut.

Zur Eröffnung des Deutschen Stadions wurde die U-Bahn-Linie für Veranstaltungen zum U-Bahnhof Stadion (heute: Olympia-Stadion) verlängert. 1922 konnte der U-Bahnhof Neu-Westend in Betrieb genommen werden und bereits seit 1911 wurde die Spandauer Vorortbahn erbaut, die heute mit den S-Bahnhöfen Eichkamp, Heerstraße, Olympiastadion und Pichelsberg den Ortsteil erschließt.

Dieser stetig vorgenommene Verkehrsanschluss und der damit verbundene Bauboom machte Westend als Wohnort für viele Menschen attraktiv – und so mehrte sich hier die Zahl der Gläubigen, die auch im Allgemeinen anstieg, weil nach den Schrecken des Ersten Weltkrieges die Sehnsucht nach einem Sinn stärker wurde und viele auch ein spirituelles Gegengewicht zum „Babylon Berlin“ der grenzenlosen Vergnügungen suchten.

Die Kapelle bei den Schwestern in der Nußbaumallee wurde also schnell zu klein und so zog man 1924 um auf das Gelände des St. Hildegard-Krankenhauses am Reichskanzlerplatz, wenn auch wiederum in ein Provisorium, denn es war ein umgebauter Kohlenschuppen, der nun als Kapelle genutzt wurde. 1926 erfolgte die Benediktion dieser Kapelle, die sich jetzt „Heilig Geist Kirche“ nannte.

Doch der Platz reichte immer noch nicht aus und so suchten die Steyler nach dem erfolgreichen Aufbau einer Gemeinde nach Möglichkeiten und Wegen, eine eigene Kirche zu bauen. Im November 1931 erfolgte der erste Spatenstich zum Bau der Heilig Geist Kirche mit angrenzendem Pfarrhaus. Am 18. Dezember 1932 fand die Gemeinde Heilig Geist nun endlich ihre Heimat und ihren Mittelpunkt!

Aber psst, nicht weitersagen, wir befinden uns hier eigentlich in der Notkirche. Ursprünglich war geplant, eine große Kirche an der Ostseite zu bauen, aber wie so oft in Berlin ging das Geld aus….

Die Jahre nach 1933 waren bewegt, doch den Nationalsozialisten schien das Haus in der Bayernallee nicht attraktiv genug zu sein. Es wurde nicht geschlossen, wohl auch, weil man kein Aufsehen erregen wollte. Der Krieg brachte Verdunkelung und Angst, der damalige Kaplan Pater Koitka ließ einen Bunker im Pfarrgarten als Schutzraum bauen. Der Treffer einer Brandbombe zerstörte die Kirche -dank des beherzten Eingreifens der Mitbrüder und der Nachbarschaft - nicht völlig, doch die Schäden waren immens. Das Kolleg diente in der Nachkriegszeit teilweise als Lazarett, aber bald schon konnte man sich an die Renovierung der Kirche machen. Es sollte nicht der letzte Umbau bleiben…

So kann ich mich noch erinnern, dass es in meiner Kindheit hier im Hintergrund kein Altarfenster gab, sondern dass 13 Feuerzungen – ich habe sie oft gezählt, sie standen für die zwölf Apostel und Maria – vom goldenen Himmel auf uns herabfielen.

Denn 100 Jahre Heilig Geist heißt auch, dass wir 100 Jahre Geistes Gegenwart erleben dürfen.

Gottes Geist - das ist der Heilige Geist. Das ist die Kraft, mit der Gott Menschen verändert, zum Glauben ruft, seine Gemeinde baut.

Weil Christsein alleine schlecht geht, fördert der Heilige Geist die Beziehungen und die Verbindungen zwischen den einzelnen Christen. Durch ihn sind zu Pfingsten die Jünger zu einer engen geistlichen Gemeinschaft verbunden worden.

Und was haben wir für eine aktive, starke Gemeinde! Ich kann an dieser Stelle gar nicht dankbar all die Gruppen aufzählen, die unsere Gemeinde ausmachen, vom Singekreis über die Liturgieteams, die Chöre, die Kolpingfamilie, die Pfadfinder und und und. Doch es ist der Heilige Geist, der uns alle als Teil  dieser Gemeinde beseelt, ja begeistert. Und der uns die Kraft, die Liebe und die Besonnenheit gibt, auch und gerade in Krisenzeiten sich den Herausforderungen zu stellen und beieinander zu stehen. Die offene Kirche in Zeiten der Corona-Pandemie hat uns immer gezeigt, dass wir ein Zuhause haben. Auch im Lockdown blieb unsere Kirche sichtbar, hörbar und immer wieder erlebbar.

Der Heilige Geist ist eher unsichtbar, daher wird er oft mit einem Wind verglichen, manchmal mit einem Tosen. Den Wind kann ich auch nicht sehen, aber ich sehe seine Wirkungen, ich spüre seinen Hauch. Der Hauch, mit dem wir den Geist Gottes erfahren, der uns „begeistert“.

Als Jesus sich vom Bußprediger Johannes im Jordan taufen ließ, sah er den Geist Gottes wie eine Taube auf sich herabfahren und über sich kommen. Dass die Bibel den Geist mit einem Vogel symbolisiert, hat eine lange Tradition. In vielen Kulturen und Religionen herrscht die Vorstellung, die Seele verbinde sich mit einem Vogel. Die sanftmütige und friedfertige Taube ist auch in der Kunstgeschichte immer wieder Trägerin und Zeichen des Heiligen Geistes.

Der Heilige Geist öffnet Räume, in uns, aber auch hier. Er sei eine Art Katalysator, ohne den der Glaube nicht funktionieren würde, ist zu lesen. Darüber hinaus gibt der Heilige Geist auch jedem Christen Fähigkeiten, durch die er sich in der Gemeinde und in seinem Umfeld so einsetzen kann, dass etwas von Gottes neuer Welt sichtbar wird. So heißt es im 1. Brief an die Korinther:

„Dies alles aber wirkt derselbe eine Geist, der einem jeden das Seine zuteilt, wie er will.“

100 Jahre Heilig Geist – 100 Jahre Geistes Gegenwart

Wir wollen in den kommenden Monaten daher nicht nur den Geburtstag unserer Gemeinde feiern, sondern uns auch immer wieder auf die Gegenwart des Heiligen Geistes besinnen.

…aber natürlich wollen wir auch den Geburtstag feiern. Jeder Monat steht bis Pfingsten, dem Fest des Heiligen Geistes, im Zeichen eines Themas, übrigens genau wie der Aufbau der Heilig Geist-Chronik zum hundertsten Geburtstag, die demnächst erhältlich sein wird. Und keine Sorgen, Sie müssen sich die Termine nicht merken, wir kündigen diese immer rechtzeitig an!

Leider muss ich jedoch erwähnen, dass alle unsere Pläne und Veranstaltungen abhängig sind von der pandemischen Entwicklung – doch wir sind voller Hoffnung.

So beginnen wir im Januar mit der „Mission“. Die Steyler Missionare werden uns den ganzen Monat eine Vielzahl von Einblicken in ihre Arbeit geben. Am 12. Januar wird Pater Brunner einen Vortrag zum Thema „Unsere Arbeit mit den Laien, dem Steyler Freundeskreis und Partnern“ halten. Am vorletzten Wochenende des Monats, am 23./24. wird sich die philippinische Gemeinde präsentieren, die bei uns ihre geistliche Heimat gefunden hat.

Schon Goethe wusste, dass man nur sieht, was man schon weiß. Im Februar wollen wir mit Ihnen unsere Kirche und die darin verborgenen Schätze entdecken:

Barbara Klubertz hat sich im Rahmen der Chronik mit der Architektur und Kunst unserer Kirche beschäftigt. Sie ist begeistert von den offensichtlichen wie den versteckten Schätzen und wird diese Begeisterung am 9. Februar mit uns teilen und die Geschichten, die hinter den Kunstwerken stecken, erzählen. Danach werden wir vieles mit anderen Augen sehen…

Zusätzlich werden wir die Möglichkeit bieten, mit einer Smartphone-App alleine oder zusammen mit der Familie auf Entdeckungstour zu gehen. Lassen Sie sich überraschen!

Die Kirchenmusik wird ganz im Mittelpunkt des Märzes stehen. Christoph Möller wird uns durch diesen Monat führen und uns Ohren und Herzen öffnen. Insbesondere die Gottesdienste am 27. März werden dabei einen musikalischen Höhepunkt bieten.

Im April wollen wir uns dem Thema „Liturgie und Sendung“ widmen. Und dem Heiligen Geist. Am 6. April wird uns im Anschluss an die musikalische Andacht Pater Norbert Cuypers in einer Mischung aus Vortrag, moderiertem Gespräch und offener Runde Impulse dazu geben, wie der Heilige Geist uns heute noch immer wieder entflammt.

Zwischen den Gottesdiensten am 24. April möchten wir Sie dann mitnehmen auf den synodalen Weg: Was hat sich auf dieser Reise getan in den letzten Monaten und auf welches Ziel wollen wir uns hinbewegen? Eine Referentin des Erzbistums wird uns hier einen Einblick in den aktuellen Stand des Prozesses geben.

Ich erwähnte schon das reichhaltige Gemeindeleben, das uns hier stets zusammenhält. Dieses Gemeindeleben wollen wir bei einem „Abend der Begegnung“ am 11. Mai vorstellen. Alle Gruppen sind herzlich eingeladen, diesen Abend mit uns zu gestalten, der musikalisch vom Singekreis begleitet werden wird.

Am 29. Mai wird unser Bischof Heiner Koch zum Auftakt der Festwoche, die Pfingsten ihren Höhepunkt finden wird, die heilige Messe mit uns feiern. Am 1. Juni dann laden wir zu einem offenen Singen ein als musikalische Vorbereitung auf den Festgottesdienst.

Am Pfingstsonntag, dem 5. Juni, findet dann unser Festjahr seinen Höhepunkt: Weihbischof Dr. Matthias Heinrich wird die Pfingstmesse halten, an die sich unser großes Gemeindefest anschließen wird. Auch hier erwartet Sie ein reichhaltiges und abwechslungsreiches Programm, das am Abend mit einer gemeinsamen Andacht beendet werden wird.

Doch damit enden unsere Planungen nicht: Im Sommer erholen wir uns kurz und schöpfen Luft, um uns im September wieder auf den Weg zu machen. In einer „Zukunftswerkstatt der Generationen“ wollen wir gemeinsam mit allen Interessierten erarbeiten, wie wir Tradition und Moderne zusammenbringen können, wie wir den synodalen Weg beschreiten und gestalten wollen und wie wir der Ökumene Raum geben können in unserem Gemeindeleben – demnächst dann im Pastoralen Raum.

Wir möchten Sie alle ganz herzlich dazu einladen an diesen vielfältigen Veranstaltungen teilzunehmen, mitzumachen und sie zu bereichern. Wir laden aber auch ausdrücklich alle Gemeindemitglieder unseres Pastoralen Raumes und der benachbarten evangelischen Gemeinden dazu ein, mit uns mitzufeiern. Unser stets aktualisiertes Programm hängt in diesen Gemeinden ebenso aus wie bei uns.

Nun stehe ich zwar hier oben und spreche zu Ihnen, aber natürlich haben ganz viele engagierte Menschen dabei geholfen, dieses ehrgeizige Festprogramm zu planen und dann auch umzusetzen. Ich möchte mich daher von ganzem Herzen bedanken bei Ruth Anders, Susanne Juppe-Ziervogel und Antje Hering, ohne die das alles hier nicht möglich gewesen wäre. Einen großen Dank auch an Elaine Rudolphi, die uns immer unermüdlich und tatkräftig zur Seite stand. Auch an alle anderen, die ich jetzt nicht erwähnt habe: Danke, danke, danke!

Paulus schrieb im Römerbrief  „… die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsre Herzen durch den Heiligen Geist, der uns gegeben ist.“ Römer 5,5

Liebe, Kraft, Besonnenheit.

Lassen Sie uns nicht nur den 100. Geburtstag der Gemeinde Heilig Geist feiern in den kommenden Monaten, sondern uns auch immer wieder ganz bewusst über die Gegenwart des Heiligen Geistes freuen, in uns und unter uns.

100 Jahre Heilig Geist – 100 Jahre Geistes Gegenwart hat jetzt begonnen. Wir starten nun gemeinsam in unser Festjahr.

Vielen Dank!